Archiv des Autors: Andreas Schindl

Streichung 1

26. Juli 2019:

Hier die gestrichene Textpassage über den Keller des Neustädter Hofes:

Leopold fühlte sich wie lebendig begraben. Ein Gefühl ähnlich dem, das er kurz nach seiner Übersiedlung in den Neustädter Hof einmal erlebt hatte. Damals war er in das zu seiner neuen Wohnung gehörige Holz- und Kohlenlager hinunter gestiegen. Die schmale Wendeltreppe führte ihn zwei Stockwerke in die Tiefe, wo unter kirchenschiffhohen Kreuzgewölben die Brennstoffvorräte lagerten. Fasziniert von riesigen Bruchsteinquadern, die vielleicht schon die Fundamente für römische Häuser gebildet hatten, war Leopold im schwachen Schein der Kerze in ein Labyrinth aus Hallen und Kavernen eingedrungen. Teilweise eingefallene Brunnenschächte konnte man in dieser Unterwelt finden und wagenradgroße Spinnennetze, in denen sich Kröten und Fledermäuse verfangen hatten. Und irgendwann hatte Leopold die Orientierung verloren, kam immer wieder in Sackgassen mit abgemauerten Türen. Und geriet in immer schlimmere Panik. Zwar wusste Katharina, wohin er gegangen war, doch konnte es leicht geschehen, dass er – vermutlich bereits in Keller eingedrungen, die längst zu benachbarten Häusern gehörten – nicht mehr gefunden werden konnte. Gottlob hatte sich Leopold daran erinnert gehört zu haben, dass man in einem Labyrinth am besten immer nur nach einer Richtung abbiegen durfte, um daraus zu entkommen. So hatte er sich einer inneren Stimme gehorchend immer rechts gehalten und war solcherart aus dem Orcus wieder ans Tageslicht gelangt.

Tief unter Paurs Wohnung

2. Juni 2016:

Heute war ich im Keller des Neustädter Hofes in der Sterngasse. Im zweiten Kellergeschoß (die Treppe zum dritten ist verschüttet) finden sich riesige Tonnengewölbe und eine Zisterne. Die Fundamente stammen aus der Römerzeit. [Die Passage, in der sich Leopold im Roman dort unten fast verirrt, fiel dem Rotstift des Lektorats zum Opfer, Anm.].

Nachmittags habe ich an Kapitel 7 weitergearbeitet (die Stelle über die Gastwirte und die Friseure).

Spurensuche in Fuglau und Horn

2. Mai 2016:

In Fuglau gibt es einen Gasthof der Familie Eisenhauer (Leopold Paurs Mutter, eine geborene Eisenhauer, kam aus Fuglau). Anschließend habe ich im Bezirksgericht Horn die Grundbuchsauszüge von Paurs Elternhaus ausgehoben, um die Daten ans NÖ. Landesarchiv weiterzugeben, wo die Grundbücher vor 1850 archiviert sind.

Die Geschichte der Häuser

28. April 2016:

Recherchen über einige Innenstadt-Häuser, die im Roman eine Rolle spielen werden: die Gebäude am Fleischmarkt (vor allem das heutige Griechenbeisl), das Haus des Ludwig Décret (heute Rotenturmstraße 17) und den Neustädter Hof in der Sterngasse. Im Innenhof des Griechenbeisls gibt es Pawlatschen. Leopold könnte nach einem Besuch bei Mitzi Engel auf der Flucht vor ihrem Vater aus dem Fenster geklettert sein…

Zum ersten Mal an Paurs Arbeitsstätte

3. Juni 2019:

Anlässlich einer Veranstaltung hatte ich heute erstmals die Gelegenheit, das ehemalige Professhaus der Jesuiten, das spätere Gebäude des ehemaligen Hofkriegsrats zu besichtigen. In der Zeit, in der ich am Manuskript gearbeitet habe, wurde es umgebaut.

In dem heutigen Luxushotel sind erst Martin Dobrizhoffer und wenige Jahre später Leopold Paur ein- und ausgegangen. Der Blick aus dem Fenster auf das damalige Halleweilische Haus muss Paur die Inspiration für die Fassade seiner Einheitshäuser geliefert haben.

Das ehemalige „Halleweilische Haus“ Am Hof 3.

Freimaurer in Paurs Umfeld

14. April 2016:

Am Nachmittag Termin bei Prof. Kohl am Institut für Rechtsgeschichte. Valentin Günther, Sekretär Josephs II., war offenbar ein Prozessgegner des von Paur vertretenen Kaufmanns Peter de Lucca. Interessant ist, dass die Namen der beiden in Paurs Verlasssenschaftsakt auftauchen und dass beide laut Kodek Mitglieder derselben Freimaurer-Loge in Hermannstadt waren.